Ratgeber

Bilanz einer Firma abfragen: Jahresabschlüsse in Österreich

Welche Firmen ihre Bilanz veröffentlichen müssen, was in den Zahlen steckt und wie du den Jahresabschluss einer Firma findest.

Die Bilanz zeigt, wie es um eine Firma finanziell steht. Viele österreichische Unternehmen müssen ihren Jahresabschluss veröffentlichen. Hier erfährst du, welche, wo du die Zahlen findest und wie du sie liest.

Wer muss die Bilanz veröffentlichen?

Die sogenannte Offenlegungspflicht nach dem Unternehmensgesetzbuch (UGB) trifft vor allem Kapitalgesellschaften, also GmbH und AG, sowie bestimmte Personengesellschaften, bei denen keine natürliche Person unbeschränkt haftet (etwa die GmbH & Co KG). Sie müssen ihren Jahresabschluss beim Firmenbuchgericht einreichen.

Die Frist beträgt neun Monate nach dem Bilanzstichtag. Endet das Geschäftsjahr am 31. Dezember, muss der Abschluss also bis 30. September des Folgejahres eingereicht sein. Wer zu spät dran ist, riskiert Zwangsstrafen. Einzelunternehmer und normale OG oder KG mit persönlich haftenden Gesellschaftern müssen in der Regel nichts veröffentlichen.

Kleine Firmen zeigen weniger

Wie viel veröffentlicht werden muss, hängt von der Größenklasse ab. Das UGB unterscheidet Kleinst-, kleine, mittelgroße und große Gesellschaften nach Bilanzsumme, Umsatz und Mitarbeiterzahl.

  • Kleinstgesellschaften und kleine GmbHs müssen meist nur eine verkürzte Bilanz offenlegen. Eine Gewinn- und Verlustrechnung fehlt dann, den Umsatz siehst du also nicht.
  • Mittelgroße und große Gesellschaften legen umfangreicher offen, große zusätzlich mit Lagebericht und Prüfvermerk.

Fehlt ein Wert, heißt das deshalb nicht, dass er null ist, sondern meist nur, dass er nicht veröffentlicht werden musste.

Die wichtigsten Kennzahlen einfach erklärt

  • Bilanzsumme: die Summe aller Vermögenswerte. Sie zeigt, wie groß eine Firma bilanziell ist.
  • Eigenkapital: der Teil des Vermögens, der den Eigentümern gehört und nicht durch Schulden finanziert ist.
  • Eigenkapitalquote (EK-Quote): Eigenkapital geteilt durch Bilanzsumme. Je höher, desto mehr Polster hat die Firma. Ein negatives Eigenkapital ist ein ernstes Warnsignal.
  • Bilanzgewinn oder Bilanzverlust: das Ergebnis des Jahres einschließlich der Gewinne oder Verluste aus Vorjahren, die noch nicht verteilt oder ausgeglichen wurden.
  • Jahresüberschuss: der Gewinn eines einzelnen Geschäftsjahres, sofern eine Gewinn- und Verlustrechnung vorliegt.

Ein einzelnes Jahr sagt wenig. Aussagekräftig wird es, wenn du mehrere Jahre vergleichst: Wächst das Eigenkapital oder schrumpft es? Wird der Verlustvortrag größer?

Wie aktuell sind die Zahlen?

Wegen der Frist von neun Monaten sind die jüngsten veröffentlichten Zahlen oft schon älter als ein Jahr. Eine Bilanz zum 31. Dezember 2025 ist zum Beispiel unter Umständen erst im Herbst 2026 abrufbar. Achte deshalb immer auf den Bilanzstichtag und bedenke, dass sich die Lage einer Firma seither verändert haben kann.

Strukturierte Daten oder PDF?

Jahresabschlüsse werden entweder strukturiert (maschinenlesbar) oder als PDF eingereicht. Aus strukturierten Abschlüssen lassen sich die Kennzahlen zuverlässig auslesen. Bei PDFs muss man die Zahlen aus dem Dokument entnehmen, was mehr Aufwand bedeutet und eine Prüfung am Original sinnvoll macht.

So geht's auf Firmenbuch.app: Suche die Firma auf der Startseite und öffne das Profil. Die Kernkennzahlen siehst du schon im Dashboard, die Entwicklung über mehrere Jahre im Reiter Bilanz. Die Original-Abschlüsse findest du im Reiter Dokumente. Werte aus PDFs (ab Pro) sind als Näherung gekennzeichnet und tragen einen Seitenverweis zur Nachprüfung. Mit Beobachten wirst du benachrichtigt, sobald ein neuer Abschluss eingereicht wird.
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